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Geo-Pfad Steinachtal

 

 

Kurzbeschreibung

Ausgehend vom Parkplatz an der Waldschänke Oberhammer führt der Weg entlang des südlichen Talhanges zunächst zur Burgruine Nordeck und von dort weiter zum Forstmeistersprung. An beiden malerischen Felsformationen sind überregional bekannte Profile des Oberdevons aufgeschlossen (Diabas; Flaserkalk). Über einen Waldpfad führt der Weg zurück zum Talgrund an der vorderen Pegelbrücke und von dort entlang des südlichen Talweges zum Fuß des Teufelssteins westlich Triebenreuth. Der Quarzkeratophyr-Riegel der Steinachklamm bildet einen thematischen und landschaftlichen Höhepunkt der Streckenführung. An der Neumühle, dem östlichen Wendepunkt des Pfades beginnt zugleich der integrierte  Themenweg “1000 Schritte Erdgeschichte”. Von dort führt die Talstraße nordwestlich des Flusses zum Römersreuther Berg, wo entlang des unteren Forstweges zahlreiche bekannte Lokalitäten des „Thüringischen“ Devons aufgeschlossen sind. Über die markanten Steinachfelsen führt ein Waldweg zurück zum Oberhammer.

 

 

 

 

Flyer Geo-Pfad Steinachtal als PDF-Datei zum download

Wegverlauf und Standorte der Objekttafeln

Copyright: Landesamt für Vermessung und Geoinformation Bayern - 2010

Verbindet man die Begriffe ,,Steinachtal" und ,,Geolo­gie", so fällt der Blick unwillkürlich auf das Wahrzei­chen des Steinachtales, die Steinachklamm. Seit 2007 ist sie eines von ,,Bayerns schönsten Geotopen". Während ihres 18 Kilometer langen Laufs durch den Westfrankenwald durchqueren die Steinach und ihre Quellbäche darüber hinaus mehr als 40 Gesteinsfor­mationen. Dieser lebhafte Wechsel der Geologie macht das Steinachtal landschaftlich zu einem der schönsten Wiesentäler Nordostbayerns.

 

 

 

Der 13,5 Kilometer lange ,,Geo-Pfad Steinachtal" möchte einige der markantesten Schätze der vielfach sehr anspruchsvollen Geologie auf einfache Weise erläutern. Der Weg kann, ausgehend von drei Wander­parkplätzen (Standorte der Ubersichtstafeln), auch in mehreren Etappen gewandert werden.

 

Erdgeschichte im Steinachtal

Trilobiten-Kopfschild

Die enormen Kräfte von Plattentektonik und Gebirgsbildung haben im Steinachtal unübersehbare Spuren hinterlassen. So ist die Vielzahl der geologischen Einheiten oftmals selbst für Fachleute kaum überschaubar. Beim Blick auf die sehr schematische Profilsäule (unten) fällt auf, dass die meisten Zeiträume des Erdaltertums sogar durch zwei Gesteinsabfolgen vertreten werden. Je älter dabei die Gesteine sind, desto mehr unterscheiden sich gleichaltri­ge Abfolgen voneinander. Sehr vereinfacht lässt sich feststellen, dass die Gesteinsab­folgen der linken Profilsäule an Ort und Stelle im Verband miteinander abgelagert wurden. Infolge ihrer weiten Verbrei­tung bis ins Thüringer Schiefergebirge und an den Erzge­birgsrand werden sie vielfach als Abfolgen in ,,Thüringischer Fazies" bezeichnet. Im Gegensatz dazu steht die ,,Bayerische Fazies", deren sehr lückenhaft erhaltene Formationen vom entstehen­den Gebirge zumeist weit transportiert wurden. Als Gleitmassen unterschiedlichster Dimension fanden sie ihren heutigen Platz erst als Abtragungsschutt der ,,Variskischen Gebirgsbildung" im Karbon. Oftmals sind die einzelnen Vorkommen zu klein, um auf einer Uber­sichtskarte unterschieden zu werden.

Westliche Schleife

Profil an der Burgruine Nordeck
Forstmeistersprung

Die westliche Schleife des Geo-Pfades rund um den Ausgangspunkt ,,Waldschänke" erschließt vor allem die jüngeren Abfolgen der linken Profilsäule aus den Zeital­tern Devon und Karbon. Altere Gesteine aus dem Ordovi­zium und Silur unterlagern erst den Höhenzug westlich der Ruine Nordeck und stehen am Talausgang unweit des Unteren Hammers an. Prägendes Element des westlichen Talabschnittes ist der harte, oftmals felsbildende Diabas, der im Oberde­von untermeerisch in vulkanischen Eruptionen entstand. Bis zu 500 Meter mächtig, verleiht er dem unteren Steinachtal sein wildromantisches Gepräge. Das Tal bleibt bis zum Austritt der Steinach ins Vorland an der Fränkischen Linie ausgesprochen schmal. Die für typische Wiesentäler des Frankenwaldes prägenden Talauen stellen sich erst ein gutes Stück flussaufwärts ein. Steinachfelsen, Forstmeistersprung und die Burgruine Nordeck sind die markantesten Landmarken am Top der eindrucksvollen Diabasmassive. Dort finden sich die schönsten Aufschlüsse im blaugrauen, bisweilen auch roten Flaserkalk, der sich im flachen, ruhigen Meer desjüngeren Oberdevons ablagerte. Die expo­nierte Lage der schroffen Felsgrate verhinderte hier den rigiden Abbau, dem diese Kalke im übrigen Fran­kenwald weitgehend zum Opfer fielen. Besonders das weithin bekannte Nordeck-Profil ist deshalb auch eine Pilgerstätte der geowissenschaftlichen Forschung und Lehre. Mit dem Unterkarbon beginnt die lebhafte Zeit der Gebirgsbildung. Rundum werden Landmassen angeho­ben, zugleich abgetragen und als Blöcke und Schollen im vorgelagerten Meeresgebiet angehäuft. Die erdge­schichtlichen Relikte dieses Prozesses machen das heutige Steinachtal zu einem wahren Irrgarten der Geologie. Besonders im zentralen und östlichen Ab­schnitt des Geo-Pfades, aber auch über den Steinach­felsen wechseln die Gesteinsformationen in lebhafter Folge. Dabei werden nahezu sämtliche Gesteine beider Fazies-Abfolgen angeschnitten. Dieser Aspekt der ,,Erdgeschichte für (sehr) Fortge­schrittene" wird aber für die Nutzer des ,,Geo-Pfades Steinachtal" auf ein verständliches Maß reduziert.

Mittlere Schleife

Musterbeispiel einer Gleitscholle an der Oberen Pegelbrücke

Die mittlere Schleife des Geo-Pfades steht überwie­gend im Zeichen des Karbon-Zeitalters, das auf ne­benstehender Ubersichtskarte und in der Profilsäule (unten) grau markiert ist. Das die Geologie auch in diesem Abschnitt ausgesprochen abwechslungsreich ausfällt, ist den bereits erwähnten Gleitmassen zu verdanken. Der größte dieser Komplexe besteht überwiegend aus Kie­selschiefern des Devons (orange), die im Gegensatz zu den gleich alten Flaserkalken im westlichen Talbereich nicht in einem flachen Meeresbecken abgelagert wurden, sondern typische Bildungen der Tiefsee sind. Die im Kartenbild ein­heitliche und große Scholle wurde beim Transport ins Mee­resbecken und in der späteren Gebirgsbildung in zahllose Schuppen zerlegt, die von den einbettenden, weichen karbo­nischen Tonschiefern umgeben werden. Nur die härtesten Abschnitte, wie die Felsnase etwa 200 Meter südlich, treten als Härtling heraus, daher erweitert sich der Talkessel in diesem Abschnitt deutlich. Das Musterbeispiel einer Gleitscholle ist am Prallhang der Steinach gegenüber der Oberen Pegelbrücke aufgeschlos­sen. Dort wird ein nahezu 80 Meter langer Kalkblock des Obersilur allseitig von karbonischen Tonschiefern umschlos­sen. Von dort wird am Hang des Römersreuther Berges sehr bald das ortsständige ,,Thüringische" Unterlager erreicht. Entlang des Forstweges erscheinen immer wieder Aufschlüsse typi­scher unterdevonischer Gesteine, Tentakulitenkalk und Tentakulitenschiefer. Letzterer wurde am Krebsgraben in kleinen Brüchen abgebaut. Weitflächig steht auch oberdevo­nischer Diabas an, der stellenweise markante Felsen bildet. Der Rückweg entlang des linken Steinach-Ufers führt durch ständig wechselnde geologische Einheiten, die jedoch nur an gut aufgeschlossenen Böschungen erkennbar sind. Uber Herkunft und Alter vieler der teils nur einige Meter mächti­gen Schuppen und Schollen, ist auch den Fachleuten nur wenig bekannt. 

Östliche Schleife

Steinachklamm

Die östliche, nur etwa 2 Kilometer lange Schleife des Geo­Pfades, ist einzig in lauftechnischer Hinsicht leicht zu bewäl­tigen. Dagegen erfordert die Beschäftigung mit den erdge­schichtlichen Relikten schon einige Gedankensprünge. Die Gesteine der ,,Bayerischen Fazies", die von den Kräften der Gebirgsbildung zum Teil enorm weit transportiert wurden, sind fast allesamt Exoten. Ihr ursprüngliches Herkunfts­gebiet lag zum Teil weit im Süden und Osten und wurde bereits vor mehr als 300 Millionen Jahren bei der Bil­dung des ,,Variskischen Gebirges" vollständig zerstört und abgetragen. Es besteht damit keinerlei Möglichkeit, die bunt zusammengewürfelten Gleitmassen des heuti­gen Frankenwaldes mit vollständigen und zusammen­hängenden Abfolgen zu vergleichen. Als Folge davon sind viele der erhaltenen Gesteine hinsichtlich ihrer Herkunft und Altersstellung gar nicht oder nur sehr bedingt einzustufen. In wenigen Fällen kann die Be­stimmung erhaltener Mikrofossilien weiterhelfen. Ein wahrer Exote unter den Gleitmassen des Steinachta­les ist auch der Felsriegel der Steinachklamm. Die Begrenzung dieses gewaltigen Gleitblocks ist bei der Annäherung von Osten her fast auf den Zentimeter genau erkennbar. Der harte Quarzkeratophyr, ein vulka­nisches, dem Diabas ähnliches Gestein, ragt markant aus seiner weicheren Umgebung heraus. Als Gestein ist der Quarzkeratophyr hier nahezu einzigartig. Nur weni­ge, sehr kleine Vorkommen sind auSerhalb des Stei­nachtales bekannt. Umso unklarer bleibt seine ur­sprüngliche Herkunft und auch bezüglich seines Alters kann bislang nur spekuliert werden. Ahnliche Kera­tophyre sind aus den Erdzeitaltern Ordovizium und Devon bekannt. Etwas besser gelingt zumindest die zeitliche Einstufung des zweiten spektakulären Exoten. Der Diabas vom Galgenberg gegenüber der Neumühle stammt als fast einziges Vorkommen dieses Gesteines aus dem Silur. In auflagernden Kalksteinen enthaltene Mikrofossilien haben diese Datierung ermöglicht. Diabas-Vulkanismus ist nur aus wenigen Gesteinsabfol­gen des Silur-Zeitalters bekannt und in der normalen Abfolge des Frankenwaldes tritt er nicht auf - ein Mus­terbeispiel dafür, dass mühsam gewonnene Daten über die exotischen Gleitmassen des Frankenwaldes mehr Fragen aufwerfen können, als sie beantworten.